Rückgewinnung von Cellulose und Biopolymeren aus Abwasser

Pilotanlagen im EU-Projekt SMART-Plant gestartet

Kommunales Abwasser enthält in großen Umfang organische Stoffe, Nährstoffe und Cellulose, die mit geeigneten technischen Verfahren zurückgewonnen werden können. Genau darum kümmert sich das EU-geförderte Verbundvorhaben SMART-Plant.

Ziel des Vorhabens ist es, verschiedene technische Verfahren der Rückgewinnung von Stoffen aus Abwasser im Pilotbetrieb zu testen und die Vermarktung von hier gewonnen Recyclingprodukten anzutreiben.

Nach der Bauphase sind bereits zwei von insgesamt sechs unterschiedlichen Pilotanlagen in Betrieb gegangen. Auf der Kläranlage Geestmerambacht in den Niederlanden wurde jetzt eine Filtrationsanlage zur Rückgewinnung von Cellulose aus Rohabwasser in Betrieb genommen. Hier können pro Tag bis zu 400 kg Cellulose-Fasern aus Abwasser herausgefiltert werden. Das gewonnene Produkt kann in Bauindustrie eingesetzt werden und als Füllstoff für Verbundwerkstoffe verwendet werden. Gleichzeitig wird auch die Kläranlage entlastet, wo die Cellulosefasern betriebliche Probleme bereiten können und über den Klärschlamm entsorgt werden müssen. Einen anderen Weg geht die Pilotanlage auf der Kläranlage Manresa in Spanien: hier wird durch gezielte Steuerung der biologischen Prozesse ein Bakterium angereichert, das aus der organischen Substanz im Abwasser Biopolymere (PHA) bildet und einlagert.

Dieser spezielle Bakterienschlamm kann nach der Reinigung abgetrennt werden, um das Biopolymer zu extrahieren. PHA ist ein Ausgangsstoff für viele Produkte in der chemischen Industrie, kann aber auch z.B. mit der rückgewonnenen Cellulose zu Verbundstoffen („bio-composites“) verarbeitet werden. KWB wird beide Prozesse im Laufe des Projekts über eine Ökobilanz bewerten, um die ökologischen Vorteile der Rückgewinnung von Wertstoffen aus Abwasser zu analysieren.

Foto (copyright Cirtec B.V. 2017): Pilotanlage zur Rückgewinnung von Cellulose aus Abwasser an der Kläranlage in Geestmerambacht (NL).